Fimo Anleitungen für wahre Kunstliebhaber

Lederoptik aus Fimo modellieren - Viktorianischer Halloween Sessel

In Leip­zig wird das gan­ze Jahr über Hal­lo­ween ge­fei­ert. Das liegt dar­an, dass die sym­pa­thi­sche Sach­sen­me­tro­po­le als die Haupt­stadt¹ der deut­schen Gothik-Szene gilt. Die­se Sub­kul­tur zeich­net sich be­son­ders durch düs­te­re Mu­sik, eine über­mä­ßi­ge To­des­fi­xie­run­g² und ei­nen un­heim­li­chen Mo­de­stil aus. Wo­bei die zu­meist schwar­ze Klei­dung der Go­thics äu­ßerst ge­schmack­voll ist. Kein Wun­der, schließ­lich ori­en­tiert sich die ex­tra­va­gan­te Gothic-Mode an der Gar­de­ro­be der eng­li­schen Bour­geoi­sie des 19. Jahr­hun­derts. Des­halb wer­den die ed­len Out­fits der schwer­mü­ti­gen Me­lan­cho­li­ker auch als „Neo-Victorian” oder als „Ed­war­di­an” be­zeich­net.

Examp­le: Ed­war­di­an 2010.

Li­isa La­douceur: 40 Ye­ars of Men’s Goth Style. youtube.com (10/2017).

Bild von Fimo Spinne auf einem Halloween Sarg. Modelliermasse altern lassen, um Wohnaccessoires für Gothics und nekrophile Triebtäter zu basteln. Kunst von Veronika VetterAuf der Fahn­dung nach ei­ner Hal­lo­ween De­ko­ra­ti­on für Er­wach­se­ne habe ich mich von der Gothic-Szene in­spi­rie­ren las­sen und ei­nen neu­vik­to­ria­ni­schen Le­der­ses­sel mit gru­se­li­ger Ske­lett­ver­zie­rung mo­del­liert. Bei Mö­bel­stü­cken aus die­ser Zeit­epo­che ging es we­ni­ger um Be­quem­lich­keit. Viel­mehr war schö­ne Woh­nungs­ein­rich­tung sei­ner­zeit ein wich­ti­ges Sta­tus­sym­bol. Aus die­sem Grund sind er­le­se­ne Stof­fe, ver­spiel­te For­men und kunst­vol­le Schnit­ze­rei­en cha­rak­te­ri­sie­rend für vik­to­ria­ni­sches In­te­ri­eur.

Wo an­de­re Holz­mö­bel viel­leicht eher mit ih­rer schlich­ten Ele­ganz über­zeu­gen, sind die vik­to­ria­ni­schen Mö­bel auf­wen­dig ver­ziert und in jeg­li­cher Hin­sicht prunk­voll und ex­tra­va­gant [...].

Oehmen-Krieger, An­ge­li­ka: Vik­to­ria­ni­sche Mö­bel: Kö­nig­li­che eng­li­sche Holz­mö­bel. morris-antikshop.de (10/2017).

Um des­halb bei mei­nem Mo­tiv den pom­pö­sen Vik­to­ria­nis­mus in den Vor­der­grund zu stel­len, ach­te­te ich beim Mo­del­lie­ren des Fimo Ses­sels be­son­ders auf schwung­vol­le For­men und eine ver­spiel­te Holz­ma­se­rung.

Das vik­to­ria­ni­sche Zeit­al­ter war ge­kenn­zeich­net durch eine fi­li­gra­ne Schön­heit. [...] Funk­tio­nel­le Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de er­hiel­ten im Vik­to­ria­nis­mus durch ro­man­tisch ge­schwun­ge­ne For­men ih­ren be­son­de­ren Charme.

Hol­ter­mann, Bir­git: Der Gar­ten im vik­to­ria­ni­schen Stil. gartenmoebel.de (10/2017).

Halloween Bildcollage: Fimo Horror Sessel vor dem das GWS2.de Maskottchen Gustl mit einer Kürbiskopflaterne steht. Idee und Fotos von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Au­ßer­dem stell­te ich die ro­bus­te Le­der­op­tik ei­nes Ches­ter­field Ses­sels nach. Die­se ex­qui­si­ten Sitz­mö­bel sind wäh­rend der Zeit der Auf­klä­rung ent­stan­den und zeich­nen sich durch über­di­men­sio­nier­te Sitz­kis­sen aus, in de­nen man tief ver­sinkt.

Foto von einem antiken Ledersessel aus dem Bernsteinzimmer, den man in der Sendung "Bares für Rares" für mehrere Millionen Peseten versteigern könnte. Gefunden von Trödelexpertin Veronika VetterVor al­lem ist es je­doch die tra­di­tio­nel­le Rau­ten­hef­tung mit Zier­knöp­fen, die die­se eng­li­schen Ses­sel zu Welt­ruhm führ­te. Des­halb ar­bei­te­te ich na­tür­lich auch die­ses Stil­mit­tel in mei­ne Hal­lo­ween De­ko­ra­ti­on ein. Da­ne­ben schmück­te ich mein spuk­haf­tes Kunst­werk zu­dem noch mit ei­nem To­ten­kopf und zwei Ske­lett­ar­men, die fest mit dem vik­to­ria­ni­schen Ses­sel ver­schmol­zen sind. Da­mit habe ich den leib­haf­ti­gen Tod auf ein le­ben­di­ges Mö­bel­stück mit ar­bei­ten­dem Holz und auf­re­gen­der Le­der­pols­te­rung ge­setzt. Denn die­ser Wi­der­spruch aus nicht tot aber auch nicht le­ben­dig ist ja be­kannt­lich das, wor­um es an Hal­lo­ween geht.

Au­ßer­dem glaub­ten die Kel­ten, dass in der Nacht des 31. Ok­to­bers die Wel­ten der Le­ben­den und To­ten ver­schwim­men [...].

Sa­scha: Was wird an Hal­lo­ween ge­fei­ert? gws2.de (10/2017).

Brutale Halloween Szenerie: Die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2025. 10 Jahre nach der Islamisierung des Abendlandes gibt es nichts mehr zu essen außer Halal Kürbisfleisch und Knoblauch. Schwarzer Merkelalbtraum inszeniert von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Des Wei­te­ren woll­te ich er­rei­chen, dass mein Arm­ses­sel so ver­wahr­lost aus­sieht, als wäre er 200 Jah­re lang un­be­merkt in ei­ner al­ten Bi­blio­thek im Buck­ing­ham Pa­lace ge­stan­den. Da­für muss­te ich das Fimo mit­hil­fe ei­ner spe­zi­el­len Tech­nik künst­lich al­tern las­sen.

Picture of Dollhouse Fainting Couch. Horror Furniture out of Polymer Clay. Free Halloween Tutorial by Veronika Vetter "DAoCFrEak" Bavarian Fine Artist

Ge­fällt Ih­nen mei­ne acht Zen­ti­me­ter gro­ße und er­wach­se­nen­ge­rech­te Hal­lo­ween De­ko­ra­ti­on? Dann schau­en Sie sich in der fol­gen­den Bild­an­lei­tung an, wie ich mei­nen furcht­erre­gen­den Fimo Ses­sel mo­del­liert habe.

Edle Fimo Antiquität mit Polstern versehen

Bild von der Polsterung eines antiken Chesterfield Sessels. Handwerkskunst aus Oberfranken der Holz- und Polstermöbelfabrik Ewald Marr GmbHZum An­fer­ti­gen ei­nes Hal­lo­ween Ses­sels ver­wen­de­te ich die Fi­mo­far­ben Weiß (0), Gelb (1), Rot (2), Cham­pa­gner (02) und Scho­ko­braun (77). Für die Struk­tu­rie­rung der Ober­flä­chen nahm ich zu­dem ein ge­knüll­tes Stück Alu­fo­lie und eine Zahn­bürs­te zur Hil­fe. Au­ßer­dem ko­lo­rier­te ich man­che Tei­le des Ses­sels mit schwar­zer Was­ser­far­be und mit gol­de­ner Acryl­far­be. Als Werk­zeu­ge soll­ten Sie sich des Wei­te­ren Ihre Pasta­ma­schi­ne, ein schar­fes Mes­ser, ein Li­ne­al, ein Stück Bas­tel­draht, feuch­te Kos­me­tik­tü­cher und ei­ni­ge Dot­ting­tools zu­recht­le­gen.

Zu­al­ler­erst mo­del­lier­te ich mir ein Ses­sel­ge­rüst aus vier scho­ko­la­den­brau­nen Fimo Stü­cken, die je­weils fünf Mil­li­me­ter dick wa­ren. Be­vor ich mein Grund­mo­tiv dar­auf­hin bei 110 Grad Cel­si­us für 30 Mi­nu­ten in den Back­ofen gab, ritz­te ich noch eine fei­ne Ma­se­rung mit­hil­fe ei­nes spit­zen Dot­ting­tools in mein Holz­imi­tat.

  • Gleich nach dem Aus­küh­len pols­ter­te ich die in­ne­re Rü­cken­leh­ne und die ge­räu­mi­ge Sitz­flä­che mit ro­tem Fimo, wel­ches ich zu­vor auf eine Di­cke von vier Mil­li­me­tern aus­ge­rollt hat­te.

Hin­ge­gen zum beid­sei­ti­gen Aus­staf­fie­ren der Arm­leh­nen­ele­men­te ver­wen­de­te ich rote Mo­del­lier­mas­se, die le­dig­lich ei­nen Mil­li­me­ter dick war.

Lederpolster erhält englische Rautenheftung

Nach dem ein­fa­chen Pols­te­rungs­pro­zess roll­te ich das rote Fimo er­neut aus. Die­ses Mal stell­te ich mei­ne Pasta­ma­schi­ne al­ler­dings auf zwei Mil­li­me­ter ein.

Bildcollage mit Anleitungsschritten: Englische Rautenheftung auf ein Fimo Polster modellieren. Antiquitäten Restaurierung von Fine Art Künstlerin Veronika Vetter

An­schlie­ßend nahm ich ein Li­ne­al und ein schar­fes Mes­ser zur Hand, um da­mit vie­le gleich­gro­ße Rau­ten aus dem dünn aus­ge­roll­ten Mo­del­lier­mas­se­stück aus­schnei­den zu kön­nen.

  • Als Nächs­tes leg­te ich die ein­zel­nen Rau­ten auf die ge­pols­ter­te Rü­cken­leh­ne. Bei die­ser Ak­ti­on ach­te­te ich pe­ni­bel dar­auf, dass zwi­schen je­dem Ele­ment ein Ab­stand von cir­ca zwei Mil­li­me­tern er­hal­ten blieb.
  • Nach­dem das Rü­cken­pols­ter dar­auf­hin voll­stän­dig be­deckt war, flach­te ich die Kan­ten der ein­zel­nen Rau­ten mit­hil­fe ei­nes Pfer­de­fu­ßes ab.
  • Gleich da­nach muss­te ich die Lö­cher für die klei­nen Zier­knöp­fe ste­chen. Dazu nahm ich ein run­des Dot­ting­tool und drück­te da­mit am Kopf und an den bei­den Sei­ten ei­ner je­den Rau­te eine Ver­tie­fung ein.

Nun dreh­te ich mir un­ge­fähr 20 rot­far­be­ne Fimo Ku­geln, die spä­ter die kost­ba­ren Zier­knöp­fe in der Rau­ten­hef­tung dar­stel­len sol­len.

Bild von einer Alufolienkugel, die über ein Fimo Polster getupft wird. Modelliermasse künstlich altern lassenBe­vor ich die Kü­gel­chen al­ler­dings in die vor­ge­sto­che­nen Lö­cher ein­setz­te, be­mal­te ich die­se noch im un­ge­ba­cke­nen Zu­stand kom­plett mit gol­de­ner Acryl­far­be. Als ich die Rau­ten­hef­tung dann voll­endet hat­te, nahm ich ein zu­sam­men­ge­knüll­tes Stück Alu­fo­lie und tupf­te da­mit die Pols­te­rung ein­mal voll­stän­dig ab. Schließ­lich soll­te das Le­der auf dem vik­to­ria­ni­schen Hal­lo­ween Ses­sel alt und ab­ge­nutzt aus­se­hen.

Fimo Skelett vollendet die Halloween Dekoration

Um rea­li­täts­na­he Ske­lett­kno­chen for­men zu kön­nen, muss­te ich mir zu­al­ler­erst ei­nen spe­zi­el­len Farb­ton her­stel­len. Aus die­sem Grund misch­te ich 40 Tei­le Fimo Weiß mit 40 Tei­len Fimo Cham­pa­gner und mit ei­nem Teil Fimo Gelb.

Anleitung mit Bildern: Fimo Totenkopf für eine Halloween Dekoration modellieren. Gruselige Gothic-Symbole wie Skelettknochen sind das beste Mittel gegen Taharrusch dschama'i, da Moslems Angst vor diabolischen Zeichen haben.

Di­rekt im An­schluss form­te ich aus die­ser Mix­tur ei­nen schau­der­haf­ten To­ten­kopf und zwei Ske­lett­un­ter­ar­me mit Hän­den.

  • Da­mit der re­la­tiv schwe­re Schä­del auch dau­er­haft fest auf dem Ses­sel thront, muss­te ich mir eine sta­bi­le Be­fes­ti­gungs­va­ri­an­te ein­fal­len las­sen. Nach ei­ni­gem Aus­pro­bie­ren ent­schied ich mich für ein Stück Bas­tel­draht, wel­chen ich tief in den Ober­kie­fer des fer­tig­ge­stell­ten To­ten­kop­fes bohr­te. Über die­se Stüt­ze konn­te ich die nack­te Hirn­scha­le dann fest mit dem di­cken Le­der­pols­ter ver­bin­den.
  • Hin­ge­gen die kno­chi­gen Ske­lett­ar­me drück­te ich ein­fach leicht auf die bei­den brei­ten Arm­leh­nen.

Be­vor ich mei­nen Hal­lo­ween Ses­sel dar­auf­hin bei 110 Grad Cel­si­us für 30 Mi­nu­ten in den Back­ofen gab, tupf­te ich noch mit ei­nem Zahn­bürs­ten­kopf über die Ske­lett­tei­le. Au­ßer­dem nahm ich ein spit­zes Dot­ting­tool und ritz­te da­mit ab­schlie­ßend fei­ne Ris­se in die Un­ter­ar­me und in den Schä­del.

Fimo Modelliermasse alt aussehen lassen - Anleitung

Nach dem Back­vor­gang ließ ich mein Mo­tiv erst ein­mal voll­stän­dig aus­küh­len. Es ging mir nun dar­um, mei­nen vik­to­ria­ni­schen Ses­sel künst­lich al­tern zu las­sen.

Dazu trug ich schwar­ze Was­ser­far­be auf die Kno­chen und auf sämt­li­che Pols­ter auf. Da­bei war es wich­tig, dass ich die Far­be mit viel Was­ser ver­dünn­te. Schließ­lich soll­te das Gan­ze nicht all­zu dun­kel wer­den. Dar­auf­hin ließ ich das Schwarz un­ge­fähr eine Mi­nu­te an­trock­nen. Di­rekt im An­schluss nahm ich ein Kos­me­tik­tuch und wisch­te da­mit mei­nen Ses­sel wie­der sau­ber. Durch die­se Tech­nik blieb die Was­ser­far­be le­dig­lich in den vie­len klei­nen Ver­tie­fun­gen hän­gen, die ich vor dem Ba­cken mit der Alu­fo­lie und mit dem Zahn­bürs­ten­kopf ein­ge­tupft hat­te.

Zu gu­ter Letzt ver­sie­gel­te ich mei­nen ge­al­ter­ten Fimo Ses­sel noch mit ei­ner dün­nen Schicht Glanz­lack. Gleich da­nach war die an­ti­qua­ri­sche Hal­lo­ween De­ko­ra­ti­on auch schon be­reit, um Schre­cken zu ver­brei­ten.

Leipzig: Die diabolische Großstadt am Auwald

Wie Sie se­hen, ist das Mo­del­lie­ren mei­nes vik­to­ria­ni­schen Wohn­ac­ces­soires ein Kin­der­spiel. Ein­zig das An­fer­ti­gen der fi­li­gra­nen eng­li­schen Rau­ten­hef­tung er­for­dert ein we­nig Aus­dau­er und Ge­schick.

Bild von einer Halloween Dekoration aus Fimo für Erwachsene. Roter Antifa Sessel mit einem künstlerischen Abbild des Aktivisten Nico Wehnemann (FFM) - European Council on Foreign RelationsÜb­ri­gens ist es mei­ner Mei­nung nach völ­lig lo­gisch, dass sich Leip­zig zum Epi­zen­trum der Gothic-Szene ge­mau­sert hat. Zum ei­nen ist die teuf­lisch­te Stadt in Sach­sen fest in athe­is­ti­scher Hand und zum an­de­ren wa­ren die Woh­nungs­mie­ten in der Ost­me­tro­po­le im bun­des­wei­ten Ver­gleich lan­ge Zeit spott­bil­lig. Das hat eine über­aus span­nen­de Kunst- und Krea­tiv­wirt­schaft auf­blü­hen las­sen, die selbst mich im Jah­re 2012 fast da­von über­zeugt hat, mei­nen Le­bens­mit­tel­punkt nach „Hy­pe­zig” zu ver­le­gen. Die Ka­ra­wa­ne ist je­doch schon längst wie­der wei­ter­ge­zo­gen, da die Gen­tri­fi­zie­run­g³ na­tür­lich auch in Leip­zig eis­kalt zu­ge­schla­gen hat. Was bleibt, ist die Er­in­ne­rung, dass es im ehe­ma­li­gen Kur­fürs­ten­tum ein Städt­chen gibt, das es in der Ge­schich­te im­mer wie­der schaff­te, kurz­zei­tig ein deut­scher Leucht­turm der bil­den­den Küns­te zu sein.

FROSCH: Wahr­haf­tig du hast Recht! Mein Leip­zig lob ich mir! Es ist ein klein Pa­ris, und bil­det sei­ne Leu­te.

Goe­the von, Jo­hann Wolf­gang: Faust. Der Tra­gö­die Ers­ter Teil. Durch­ge­se­he­ne Aus­ga­be. Stutt­gart: Phil­lip Re­clam jun. GmbH & Co. KG 2000.

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Süße Scho­ko­la­de aus Fimo mo­del­lie­ren - An­lei­tung
Hut­ma­cher aus Pa­pier bas­teln - eine vik­to­ria­ni­sche Schul­tü­te

¹MDR Mit­tel­deut­scher Rund­funk: Mein Le­ben in Schwarz – Ein­bli­cke in die Go­thic Sze­ne. youtube.com (10/2017).
²Por­ter Smith, Ali­cia: De­ath Fixa­ti­on. gothicsubculture.com (10/2017).
³Bartsch, Mi­cha­el: Gen­tri­fi­zie­rung in Leip­zig. Boom­town zu­las­ten der Mie­ter. taz.de (10/2017).

Holzoptik aus Fimo modellieren - Anleitung für Löffel

Wuss­ten Sie, dass der Löf­fel das äl­tes­te Ess­be­steck der Mensch­heit ist? Zwar be­gan­nen un­se­re Vor­fah­ren be­reits im Pa­läo­li­thi­kum da­mit aus Stei­nen schar­fe Mes­ser zu schlei­fen, die­se wur­den al­ler­dings nur für die Jagd ver­wen­det. Wenn die Feu­er­steins also ein­mal nicht mit den Hän­den es­sen konn­ten, da Wil­ma ei­nen hei­ßen Ein­topf aus Lar­ven und Wur­zeln ge­kocht hat­te, dann deck­te die klei­ne Peb­bles gro­ße Mu­schel­scha­len ein. Die Idee der ova­len Laf­fe an ei­nem Löf­fel ba­siert näm­lich auf dem Au­ßen­ske­lett von Scha­len­weich­tie­ren.

The shores of the­se wa­ters pro­vi­ded shells which ser­ved as na­tu­ral spoons with which to eat cer­tain ty­pes of food.

Sul­li­van, K.: Brief Histo­ry Of The Spoon. silvercollect.org (12/2016).

Bild von Holzlöffel aus Fimo mit einem Apfel. Modelliert von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinOb­wohl man im al­ten Ägyp­ten schon lan­ge mit Löf­feln aus Holz di­nier­te und so­gar be­reits Me­tall­löf­fel be­saß, hielt man spä­ter im Rö­mi­schen Reich die Ver­bin­dung zur Alt­stein­zeit wei­ter auf­recht. Zu­min­dest sprach­lich, denn das la­tei­ni­sche Wort für Löf­fel (lat. co­ch­le­ar) lei­tet sich aus Schne­cke (lat. co­ch­lea) ab. Im All­tag des an­ti­ken Roms wa­ren je­doch längst Silber- und Bron­ze­l­öf­fel en vogue, wo­bei dies selbst­ver­ständ­lich nur für die Ober­schicht galt.

Alle an­de­ren muss­ten ih­ren Kräu­ter­quark zwar auch nicht mehr mit dem Pan­zer von Weich­tie­ren löf­feln, sich al­ler­dings wei­ter mit den alt­her­ge­brach­ten, güns­ti­gen und un­hy­gie­ni­schen Holz­löf­feln be­gnü­gen.

It is be­lie­ved that prehis­to­ric peop­les used shells or chips of wood as spoons. In fact, both the Greek and La­tin words for spoon are de­ri­ved from co­ch­lea, which me­ans a spiral-shaped snail shell, [...].

Stott, Char­lie: What ma­te­ri­als have been used for spoons? scottishsilver.com (12/2016).

Picture of Polymer Clay Faux Wood Spoons by Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Artist

Erst Ende des eu­ro­päi­schen Spät­mit­tel­al­ters wur­den Löf­fel aus Holz nach und nach von Me­tall­löf­feln ver­drängt. Zu je­ner Zeit war es Usus, dass je­der sein ei­ge­nes Ess­be­steck in ei­nem Beu­tel an sei­ner Klei­dung mit­führ­te.

Bild von Fimo McDonald’s Fast Food mit Löffel aus Holz. Modelliert von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinAuf­grund der ho­hen Nach­fra­ge ent­stand im 15. Jahr­hun­dert der Be­ruf des Löf­fel­ma­chers. Die­ser stell­te für sei­ne Kun­den in­di­vi­du­el­le Löf­fel aus Fich­ten­holz, Rinds­horn, Mes­sing oder Zinn her. Der Stiel war sei­ner­zeit je­doch noch we­sent­lich kür­zer als heu­te und die Laf­fe viel brei­ter, so­dass man schon ei­nen gro­ßen Mund brauch­te, um mit solch ei­nem Löf­fel sei­nen Ge­trei­de­brei ge­nie­ßen zu kön­nen. Hin­ge­gen die schma­le Form un­se­rer mo­der­nen Edel­stahl­löf­fel ent­stand erst in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts. Durch die zu­neh­men­de In­dus­tria­li­sie­rung wur­den ver­zinn­te Löf­fel sei­ner­zeit zur Mas­sen­wa­re und sind seit­dem für je­der­mann er­schwing­lich.

The de­sign of the spoon chan­ged throughout the Re­nais­sance and Ba­ro­que pe­ri­ods be­fo­re fi­nal­ly re­cei­ving its cur­rent most­ly stan­dard look around the 18th cen­tu­ry.

Jo­nes, Te­gan: The Histo­ry of Kni­ves, Forks and Spoons. gizmodo.com (12/2016).

Picture of Polymer Clay Sushi (Nigiri Ebi) with Faux Wood Spoon created by Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine ArtistDer Löf­fel­kult en­de­te Mit­te der 1990er Jah­re als noch je­dem Mar­me­la­den­glas und je­der Zu­cker­do­se ein ei­ge­ner Tee­löf­fel zu­ge­teilt war. Und wehe dem, der mit dem Mes­ser in den Ho­nig tauch­te. Aus­lö­ser war viel­leicht die Ent­täu­schung über die Le­bens­mit­tel, die vor­zugs­wei­se mit ei­nem Löf­fel kon­su­miert wer­den. Denn plötz­lich stell­te sich her­aus, dass der Nut­zen der teu­er an­ge­prie­se­nen pro­bio­ti­schen Jo­ghurts­or­ten gleich null war und Kel­loggs Corn­flakes Ka­ri­es und Dia­be­tes för­dern.

[...] Corn is the main in­gre­dient in corn flakes, but the other in­gre­dients are su­gar, malt fla­vou­ring and corn sy­rup with a high fruc­to­se le­vel. [...] The­re­fo­re, the con­sump­ti­on of corn flakes can ac­tual­ly in­crea­se the blood glu­co­se le­vel and pose a grea­ter risk of ag­gra­vating dia­be­tes.

Das, Asha: Is Corn Flakes Good For Dia­be­tics? boldsky.com (12/2016).

Bild von Sushi aus Fimo (Nigiri/Maki) auf Löffeln aus Holzimitat. Modelliert von Künstlerin Veronika Vetter (DAoCFrEak)

Seit­dem be­han­delt der Mensch den Löf­fel wie die Stief­mut­ter das Aschen­brö­del. Kö­che wür­zen aus der Hand, mit Süß­stoff und Aro­men ver­setz­te Jo­ghurt­drinks wer­den di­rekt aus der Ver­pa­ckung ge­trun­ken und selbst Cof­fee­shops ge­ben zum Um­rüh­ren ih­rer kof­fe­in­hal­ti­gen Heiß­ge­trän­ke kei­ne Löf­fel, son­dern Holz­stäb­chen mit auf den Weg. Die Ost­asia­ten wuss­ten auch schon im­mer, dass der Löf­fel nur Un­glück bringt, und es­sen des­halb selbst Reis und Sup­pen lie­ber mit Stäb­chen.

To­day I’m go­ing to show you how to eat the Ra­men.

The Dal­las Morning News: Slur­ping 101: tips on how to eat a bowl of ra­men. youtube.com (12/2016).

  • Al­len Un­ken­ru­fen zum Trotz hat der Löf­fel für mich im­mer noch ei­nen sehr ho­hen Stel­len­wert. Zu­min­dest aus künst­le­ri­scher Per­spek­ti­ve do­mi­niert die­ses Ess­be­steck sei­ne Stief­schwes­ter die Ga­bel in al­len Dis­zi­pli­nen.

Denn wor­auf sonst las­sen sich Su­shi, Ter­ri­nen, Mi­ni­quiche und Pra­li­nen stil­vol­ler an­rich­ten als auf ei­nem Löf­fel? Auch beim Ma­te­ri­al gibt es für mich kei­ne zwei Mei­nun­gen. Sil­ber, Edel­stahl und Por­zel­lan sind doch stink­lang­wei­lig! Nichts setzt et­was mehr in Sze­ne, als auf­re­gend ge­ma­ser­tes und le­ben­di­ges Holz. Zu­dem gibt es kei­nen an­de­ren Roh­stoff, der das in­ni­ge Ver­hält­nis zwi­schen Löf­fel und Mensch bes­ser re­prä­sen­tiert.

Bild von Fimo Sushi mit asiatischen Holzlöffeln für die Ladenausstattung. Szenerie erstellt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Falls Sie also et­was su­chen, um ap­pe­tit­li­che Aus­stel­lungs­stü­cke ge­schmack­voll vor­zu­füh­ren, zei­ge ich Ih­nen, wie Sie Fimo Löf­fel mit ei­ner Holz Cane be­le­gen. Beim Ent­wer­fen des Holz­imi­tats habe ich mich da­bei eng an Aka­zi­en­holz ori­en­tiert.

Fimo Holzoptik erzeugen - so geht’s

Bild von fünf Fimofarben, die nötig sind, um ein Holzimitat zu modellierenZum Mo­del­lie­ren der ge­ma­ser­ten Holz Cane ver­wen­de­te ich die Fi­mo­far­ben Weiß (0), Gelb (1), Schwarz (9), Scho­ko­braun (77) und Me­tal­lic Gold (11). Für das Löf­fel­grund­ge­rüst nahm ich Fi­mo­res­te zur Hil­fe. Als Werk­zeu­ge soll­ten Sie sich zu­dem Ihre Pasta­ma­schi­ne, ein schar­fes Mes­ser und ei­nen Acryl­rol­ler oder ein Nu­del­holz zu­recht­le­gen.

Be­vor ich mit dem Le­gen der Cane be­gin­nen konn­te, muss­te ich mir zu­nächst drei ei­ge­ne Farb­tö­ne mi­schen. Da­für ver­meng­te ich fol­gen­de Fi­mo­far­ben:

  1. Scho­ko­braun und Schwarz im Ver­hält­nis 2:1.
  2. Me­tal­lic Gold und Weiß im Ver­hält­nis 3:1.
  3. Scho­ko­braun und Gelb im Ver­hält­nis 1:1.

Bild von fünf ausgerollten Fimostücken zum Modellieren einer HolzoptikZum An­fer­ti­gen der Holz­op­tik fuhr ich dar­auf­hin mit den un­ge­misch­ten Far­ben Scho­ko­braun und Me­tal­lic Gold fort. Au­ßer­dem hat­te ich die drei ge­misch­ten Farb­tö­ne Schwarz­braun, Beige und Ka­ra­mell vor mir lie­gen. Im nächs­ten Schritt roll­te ich alle fünf Far­ben auf eine Di­cke von drei Mil­li­me­tern aus. Di­rekt im An­schluss schnitt ich mir aus den Fi­mo­far­ben gleich­gro­ße, recht­ecki­ge Stü­cke zu­recht. Aus den fünf Stü­cken bau­te ich dar­auf­hin ei­nen Turm, der fol­gen­der­ma­ßen auf­ge­baut war:

  1. Schwarz­braun
  2. Me­tal­lic Gold
  3. Beige
  4. Scho­ko­braun
  5. Ka­ra­mell

Im nächs­ten Schritt streck­te ich den ge­streif­ten Turm mit­hil­fe mei­nes Acryl­rol­lers, so­dass die­ser um 0,5 Zen­ti­me­ter in alle Rich­tun­gen wuchs. Da­nach hal­bier­te ich das Gan­ze und leg­te die zwei gleich­gro­ßen Stü­cke sym­me­trisch auf­ein­an­der. Um die bei­den Ebe­nen fest mit­ein­an­der zu ver­schwei­ßen, nahm ich nun wie­der mei­nen Acryl­rol­ler zur Hand und roll­te ei­ni­ge Male über die Mo­del­lier­mas­se­plat­ten. Als Nächs­tes hal­bier­te ich den Turm er­neut, so­dass ich zwei Stü­cke mit je­weils zehn Farb­strei­fen vor mir lie­gen hat­te.

Collage mit Anleitungsschritten zum Zusammenbauen der Holzcane aus Fimo. Angefertigt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Hin­weis: Ei­nes der bei­den Stü­cke leg­te ich bei­sei­te. Mit die­sem Ein­zel­teil er­zeug­te ich am Ende die gro­be Holz­ma­se­rung.

Holzimitat mit verschiedener Maserung

Das an­de­re Stück soll­te für eine fei­ne Ma­se­rung sor­gen. Des­halb ver­län­ger­te ich es wie­der um 0,5 Zen­ti­me­ter mit­hil­fe mei­nes Acryl­rol­lers. Au­ßer­dem hal­bier­te ich die aus­ge­roll­te Mo­del­lier­mas­se und leg­te er­neut bei­de Stü­cke sym­me­trisch auf­ein­an­der.

Collage von Anleitungsschritten: Holzcane aus Fimo anfertigen - erstellt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Nach den vor­an­ge­gan­ge­nen Ar­beits­schrit­ten hat­te ich zwei Stü­cke vor mir lie­gen. Ei­nes mit fei­ner und ei­nes mit gro­ber Ma­se­rung.

Holzauge verfeinert das Muster der Cane

Bild vom Drehen eines Holzauges aus ModelliermasseDa­mit das Holz­mus­ter so rea­lis­tisch wie mög­lich aus­sah, setz­te ich der Cane ein klei­nes Holz­au­ge ein. Dazu bau­te ich mir er­neut ei­nen Turm aus den fünf Mo­del­lier­mas­se­plat­ten. Die Farb­rei­hen­fol­ge war da­bei die­sel­be wie bei der Ma­se­rung. Nach­dem ich die Fimo Plat­ten auf­ge­sta­pelt hat­te, roll­te ich das Gan­ze auf eine Di­cke von zwei Mil­li­me­tern aus.

Bild vom Integrieren eines Holzauges in eine Cane aus FimoIm An­schluss dreh­te ich die Plat­te wurst­för­mig auf, wo­bei die schwarz­brau­ne Sei­te nach in­nen zeig­te. Au­ßer­dem re­du­zier­te ich die Wurst durch hin und her rol­len, bis mir die Grö­ße des Holz­au­ges ge­fiel. Im nächs­ten Schritt leg­te ich die Holz­au­gen Cane zwi­schen die bei­den Ma­se­rungs­plat­ten. Da­mit sich die drei Tei­le gut mit­ein­an­der ver­ban­den, streck­te ich den qua­dra­ti­schen Klotz um ei­ni­ge Zen­ti­me­ter mit­hil­fe mei­nes Acryl­rol­lers.

Holzlöffel aus Fimo modellieren

Bild vom Abschneiden dünner Holzscheiben aus einer Fimo CaneDie Holz Cane war da­mit fer­tig­ge­stellt. Um ei­nen Löf­fel mit ei­nem Holz­mus­ter ver­klei­den zu kön­nen, schnitt ich aus der lan­gen Sei­te des Stücks dün­ne Schei­ben mit ei­ner Di­cke von ei­nem Mil­li­me­ter ab. Die schma­len Holz­bal­ken leg­te ich dar­auf­hin eng ne­ben­ein­an­der. Das Gan­ze sah un­ge­fähr so aus, als wür­de ich Par­kett aus­le­gen. Um die Kan­ten zu ver­bin­den, fuhr ich au­ßer­dem ei­ni­ge Male mit mei­nem Acryl­rol­ler über die Holz­flä­che.

Bild vom Einwickeln eines Fimo Löffels mit einer Holz Cane

Zu gu­ter Letzt mo­del­lier­te ich mir ei­nen Löf­fel aus Fi­mo­res­ten. Um die Form zu fes­ti­gen, gab ich die­sen an­schlie­ßend für 20 Mi­nu­ten bei 110 Grad Cel­si­us in den Back­ofen. Als der Fimo Löf­fel ab­ge­kühlt war, wi­ckel­te ich ihn kom­plett mit den dün­nen Holz­schei­ben ein. Was über­stand schnitt ich ab. Zum Schluss glät­te­te ich die Über­gän­ge mit mei­nen Fin­gern. Hin­weis: Da­bei trug ich Hand­schu­he, um Fin­ger­ab­drü­cke zu ver­mei­den. Dar­auf­fol­gend gab ich den Holz­löf­fel für 30 Mi­nu­ten bei 110 Grad Cel­si­us er­neut in den Back­ofen. Au­ßer­dem ver­edel­te ich das Holz­imi­tat nach dem Ba­cken noch mit Glanz­lack.

Der Löffel feiert bald ein Comeback

Bild von Fimo Löffel mit Ferrero Raffaello und Caipirinha. Hergestellt von Künstlerin Veronika Vetter (DAoCFrEak)Ei­nes ist ge­wiss; der Löf­fel wird bald ein Come­back fei­ern. Dies ma­che ich nicht dar­an fest, dass wir uns durch die be­lieb­te Pa­leo Diät wie­der der Zeit an­nä­hern, in der Löf­fel so po­pu­lär wa­ren. Ganz im Ge­gen­teil, die­sem his­to­ri­schen Ess­be­steck ge­hört die Zu­kunft, da wir näm­lich bald nur noch Ku­geln es­sen wer­den. Wer sich ein­mal ei­nen Be­richt über die Mo­le­ku­lar­kü­che an­ge­se­hen hat, der weiß, dass Cheese­bur­ger, Rump­steak oder Spa­ghet­ti aus­schließ­lich als grell­far­be­ne Bäl­le auf ei­nem Löf­fel ser­viert wer­den. So­mit wird sich das Blatt wen­den und wer im Jah­re 2150 nach ei­ner Ga­bel fragt, den könn­te der Kell­ner wo­mög­lich als Stein­zeit­mensch be­zeich­nen.

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